Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume

Ach, wie schön wäre das! Im Sommer ist alles wieder gut. Die Pandemie hat sich verzogen. Wir feiern wieder frohe Feste. Umarmen uns, singen miteinander, tanzen.

Je länger sich die Krise hinzieht, desto dringlicher wird der Wunsch. Doch Großveranstaltungen wird es vorerst weiterhin nicht geben. Das Münchner Oktoberfest ist abgesagt. Der Weimarer Zwiebelmarkt findet ohne große Bühnen statt. Die Kirmes ist vielerorts abgeblasen. Erst jetzt, wo das alles fehlt, wird klar, wie reich beschenkt wir mit all dem waren.

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Deshalb geht es uns ein wenig wie dem Mann, der von heute auf morgen auf der Straße lebt. Tricksende Geschäftspartner, die Ehe in der Krise – und dann verbringt er seine erste Nacht auf einer Parkbank. In meinem Roman Nur im Dunkeln leuchten dir Sterne habe ich ihm den Namen Stalter gegeben. Bewusst keinen Vornamen. Ein Irgendwer. Damit klar wird: Es kann jede und jeden von uns so etwas Schlimmes treffen. Schneller als wir denken. Wenn alles wieder so wie früher wäre, sagen wir uns dann. Mit Familie und Dach über dem Kopf wie im Falle von Stalter!

Es geht uns vielleicht auch ein wenig wie der achtzehnjährigen Selma. Sie steht im Mittelpunkt meines neuen Romans Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume. Selma sitzt im Schwimmbad und überlegt, was sie nach dem Abitur macht. Erdbeerpflücken in Neuseeland? Oder gleich ein tolles Studium beginnen? Mit Freunden fährt sie einem Unwetter davon – und in einen LKW. Sie überlebt den Unfall, aber der Sehnerv ist durchtrennt. Von heute auf morgen ist sie blind. Was wird jetzt aus den Träumen? Alles vorbei? Wie glücklich wäre sie, wieder sehen zu können. Die Träume leben zu können!

Stalter und Selma. Zwei Schicksale. Beide lernen, sich zu gedulden. Sich zu besinnen. Die schreckliche Grübelfalle zu verlassen, in der sie immer immer immer die gleichen Gedanken denken. Erst jetzt, wenn man die Perspektive wechselt, öffnen sich Türen. Wenn man vertraut. An sich selbst glaubt. Zeiten der Ungewissheit aushält.

Auch die Pandemie fordert uns heraus. Ein immer noch eingeschränktes Leben. Dazu die Angst, vom Virus erwischt zu werden. Aber auch Möglichkeiten eröffnen sich uns. Zum Beispiel, dass wir jetzt merken, was für uns wirklich wichtig ist. Liebe und Freundschaft. Vereinsleben und Dorfgemeinschaft. Hoffen und Träumen. Und dass wir das nach der Pandemie umso intensiver pflegen.

Bei meinen Buchvorstellungen in Weimar und im Weimarer Land berichte ich von Menschen, die Krisen überwunden haben. Sie wohnen mitten unter uns. Und wir können von ihnen lernen.

Einen schönen Sommer

Ihr

Felix Leibrock

 

Termine

8. August, 16 Uhr, Ottstedt bei Magdala, Kirche St. Nikolai

14. August Weimar

18. September Oßmaritz

26. September Herressen

www.felixleibrock.de