Viel Gefühl für Schnitt und Farbe

Im Apoldaer Bildungszentrum hängt Ethnomode an der Stange

Eine moderne Erfolgsgeschichte lässt sich derzeitig im Apoldaer Bildungswerk verfolgen. Wie bereits in der vergangenen Ausgabe der „Impulsregion“ vorgestellt, haben inzwischen neun Frauen und ein Herr die Nähmaschinen zu ihren täglichen Begleitern gewählt.

Das „Summen“ der Maschinen und das freundliche Lachen ist schon beim Eintritt zu vernehmen. Im zweiten Stock des Apoldaer Bildungswerkes haben sich inzwischen Frauen unterschiedlichen Alters und Herkunft zusammen gefunden, um gemeinsam Schönes auf den Weg zu bringen. In enger Zusammenarbeit mit dem Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz sowie dem Förderkreis Integration war es nämlich möglich, die Berufe und Ambitionen der neuen Apoldaer Bürgerinnen fortan unter dem Banner „Ethnomode für junge Leute“ zusammen zu fassen. Die anfängliche Begeisterung zu Beginn des Jahres musste allerdings COVID 19 und der obligatorischen sozialen Distanzierung auf drei Personen im Frühjahr weichen.

Der „Nähplan“, der eigentlich von vornherein Ethnomode vorsah, wurde kurzerhand „umgestrickt“. Fortan fertigten die Damen verschiedene Masken in unterschiedlichen Modellen, die wiederum gerne von der Volkshochschule und dem GlockenStadtMuseum genutzt werden. Etwa 600 unterschiedliche Masken, die kostenfrei abgegeben wurden, sind nunmehr in Apolda zu finden. Der Stoff, die Maschinen und das Know-How sowie eine große Motivation waren vorhanden, um diese zu fertigen. Inzwischen sind die Frauen, die in ihren Heimatländern das Schneidern gelernt und ausgeübt haben, sehr versiert und verfügen über genügend Ideen, um aus den Stoffballen neue innovative Ethnomode zu schneidern.

Erste Ergebnisse können sich sehen lassen: An die 30 Kleidungsstücke hängen bereits an den Stangen. Die hochwertigen Einzelteile künden dabei von hoher Fingerfertigkeit sowie dem unabkömmlichen Gefühl für Schnitte und Farbe, die die Persönlichkeit der Trägerin unterstreichen sollen. Einen weiteren Schritt wagten die Näherinnen und Models mit einem Foto-Shooting und bewiesen die Tragbarkeit ihrer geschneiderten Konfektion. Hinzu kommen die vielen kleinen Accessoires, die gehäkelt oder gestrickt jedem Teil noch mehr Individualität verleihen. Tragbar und schick, einzigartig und modern – gleich dreimal in diesem Jahr wollte sich das Team der Apoldaer Öffentlichkeit präsentieren. Doch „coronabedingt“ fielen die Modenschauen – wie so viele schöne Veranstaltungen – ins Wasser.

Auf ein Highlight hofft die Leiterin des Projektes für 2021: Dann sollen die Unikate beim zweiten Apoldaer Maschenfest gezeigt werden. Guten Mutes zeigt sich Melinda Micláus, die ständig auf der Suche ist, um die Wünsche der Näherinnen zu erfüllen. Knöpfe, Gummiband, Reißverschlüsse… alle diese Waren müssen ja erst erworben werden, um dann eine neue Bestimmung zu bekommen. Und Wünsche? Ja, die haben die Frauen auch, die freiwillig und ohne Entgeld im Zweischichtsystem arbeiten. Denn eine Knopflochmaschine oder ein gutes, vielleicht sogar Profibügeleisen, könnte die Arbeit noch erleichtern.