Nur im Dunkeln leuchten dir Sterne

Wie überstehe ich eine Lebenskrise? Wenn sich alles um uns und in uns verdunkelt?

„Wenn sich alles verdunkelt/Bring ich dich durch die Nacht“, singt Herbert Grönemeyer. Das ist schon mal gut. Einen Menschen zu haben, der bedingungslos zu einem steht.

Was kann noch helfen? Ein Perspektivwechsel. Die Krise nutzen, um etwas Gutes draus zu machen. Anthony de Mello erzählt uns eine Geschichte in zwei Sätzen: „Ein Affe auf einem Baum warf eine Kokosnuss einem weisen Mann an den Kopf.“ Und wie lautet der zweite Satz? Wird der Mann jetzt die Nuss nach dem Affen werfen? Nein. Der zweite Satz lautet: „Der Mann hob die Nuss auf, trank die Milch, aß das Fruchtfleisch und machte sich eine Schüssel aus der Schale.“

Noch ein drittes, was uns in Krisen helfen kann: Symbole. Ich kenne eine Frau, deren Sohn ist mit sechs Jahren gestorben. Etwas Schlimmeres kann einer Mutter kaum widerfahren. Sie hat lange getrauert. Sie zeigt mir Bilder, die ihr Sohn gemalt hat. Darauf sind Schiffe und Wikinger zu sehen, vor allem aber: Leuchttürme! Auf dem Grab ihres Sohnes hat sie einen kleinen Leuchtturm errichtet. Das schenkt ihr jetzt Trost. Ihr Sohn ist durch den Leuchtturm irgendwie lebendig, präsent, bei ihr.

Jede und jeder entdeckt seine eigenen Symbole, die durch Krisen tragen. Beim Protagonisten meines neuen Buchs sind es die Sterne. Sie leuchten ihm, während er als Obdachloser auf der Straße übernachtet. Er kommt zur Erkenntnis: „All das Dunkel, das ich erlebt habe, ist es nicht die Voraussetzung dafür, das Leuchtende, die Sterne zu sehen? Wem es immer nur gut geht, der weiß irgendwann nicht mehr, was das eigentlich ist, dieses Gutgehen.“

Weihnachten, nicht für alle ist es ein Fest der Familie und des Friedens. Manche sind einsam, andere haben Angst, dass es das letzte Weihnachten ist, das sie erleben. Vielleicht besuchen wir sie. Und machen es so, wie es Grönemeyer singt: Wir bringen sie durch die Nacht. Dann sind wir die Sterne, die ihnen im Dunkeln leuchten.

Eine gute Advents- und Weihnachtszeit
Ihr
Felix Leibrock