Neue Single. Neue Projekte. Neue Söhne

Söhne Mannheims feiern ihr 25jähriges – und spielen am 6. August in Erfurt und am 8. Mai 2021 in Zeulenroda

Die Söhne Mannheims mischen seit inzwischen 25 Jahren als musikalische Ausnahmeerscheinung die Musikszene auf, starten in diesem Jahr mit neuer Besetzung und neuer Musik durch und spielen am 6. August live beim Sommer Open Air im Erfurter Steigerwald Stadion. Als „Neuzugänge“ haben der Singer-Songwriter Giuseppe „Gastone“ Porrello und der Sänger Karim Amun gleich mal mit der emotionalen Single „Moral“ ihren Einstand beigesteuert. Über Musik, Corona und Projekte sprach ich mit dem Sänger Dominic Sanz und dem Gitarristen Kosho. 

Kennen Sie Thüringen? Was fällt Ihnen zu unserem Land spontan ein?

Kosho: Die Bratwürste sind ein ewiger Klassiker! Ansonsten habe ich sehr schöne Erinnerungen an Thüringen, da wir schon oft mit den Söhnen in Erfurt gespielt haben und ich persönlich auch schon im schönen Mühlhausen zu Gast war. Da gibt es eine tolle Veranstaltungsreihe und ein guter Freund von mir, der Gitarrist Mario Meinel, hat mich mehrmals dazu eingeladen. Mühlhausen hat eine einladende Altstadt und nette Menschen. Und dann kenne ich Suhl, da habe ich wohl Mitte der 90er Jahre im Ratskeller gespielt.

Dominic: Ich habe auch die Thüringer Bratwurst im Kopf, die gut schmeckt. Wenn wir nach Thüringen kommen, ist es für mich dann umso schöner, Neues kennen zu lernen.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht jetzt die Musikgruppe? 

Kosho: Alle mal durchzählen, wir sind 13. 

Wechselt die Teilnehmerzahl auch innerhalb einer Tournee?

Kosho: Theoretisch könnte das passieren. Das Schöne in der Gruppe ist es, dass man den einen oder anderen auch mal auffangen kann. Wenn bei einer kleinen Band der Sänger erkrankt, ist die Tour in Gefahr. Wir haben aber sechs Sänger und zwei Rapper. Wenn bei uns mal einer krank wird, dann fängt die Gruppe das auf. Jeder ist für den anderen da. Und das ist auf einer Tour ganz wichtig und macht die Band auch aus. Es ist schön, dass man mit so vielen Leuten auf der Bühne ist. Das macht großen Spaß. 

Die meisten von Ihnen, oder alle, wandeln auch auf Solo-Pfaden. Was ist das Besondere an dieser Team-Arbeit?

Kosho: Die Band war von Vornherein als großes Team mit verschiedenen Sängern geplant. Und dann kam der Gedanke, wenn schon mehrere Sänger an Bord sind, könnten gleich zwei Gitarristen und Schlagzeuger und Keyboarder mit Musik machen. Viele Jahre waren wir fast alle doppelt besetzt. Die Idee dabei ist, einen großen Sound zu schaffen und das ohne Playbacks. Viele Bands lassen im Hintergrund ja noch Spuren von Computern laufen. Das passiert bei uns überhaupt nicht. Bei uns ist alles live und direkt gespielt und deswegen brauchen wir auch eine große Band. 

Dominic: Bei uns ist immer Bewegung, zu uns stoßen neue Leute und bringen neue Ideen mit. Wir merken das gerade bei unserem neuen Sänger Giuseppe „Gastone“ Porrello, der neue Impulse hereinbringt. Bei uns prasseln viele Musikwelten aufeinander. Wir laufen uns nicht so schnell tot. Es gibt eben immer was Neues.

Neue Söhne, neue Single, neue Projekte. Verratet ihr was zu neuen Projekten?

Kosho: Richtig. Seit einigen Tagen haben wir eine neue Single namens „Moral“ auf dem Markt.  Das passende Video gibt´s inzwischen auch schon. Der neue Song wurde von unserem neuen Sänger „Gastone“ geschrieben. Und schon bald kommt die nächste Single raus. Wir arbeiten am neuen Album, das hoffentlich bald erscheint. Wir machen gerade viele neue Sachen.

Wie lebt und arbeitet es sich im Corona-Lockdown?

Dominic: Ich muss ganz ehrlich sagen, man hat gerade mehr Zeit nachzudenken und sich der Musik noch intensiver zu widmen. Gerade als alles losging, wollten wir die Songs nochmal neu einspielen und proben. Dann kam dieser Lockdown und alles lief nur noch über Social-Media Kanäle, über Web und Computer. Das ist auf jeden Fall eine andere Welt, an die man sich erst gewöhnen muss. Denn eigentlich wollte man sich zusammensetzen, gemeinsam schreiben und kreativ sein. In dieser Zeit war das sehr schwierig. So musste alles halt über Internet passieren. Aber natürlich ist man in dieser Zeit kreativer. Man hat solch eine Zeit noch nie erlebt und dementsprechend Themen, über die es auch zu schreiben lohnt: „Was geht in einem vor, was geht gerade in der Welt ab“. Und jetzt, wo sich alles langsam erholt, ist es natürlich schön, dass man sich wieder treffen kann. Wir konnten wieder proben. Es ist schön, dass man die Gedanken, die man aufgeschrieben und im Kopf hat, zusammenbringt und gemeinsam Musik machen kann. Dieses Gemeinschaftsgefühl hatte gefehlt. Man hat mehr Zeit, sich mit sich selber zu befassen und wird kreativer. Aber umso schöner ist es, wenn man die anderen sehen und mit ihnen zusammen spielen und auch genießen kann.

Kosho: Für uns als Band war der größte Vorteil, dass wir Telefonkonferenzen machen mussten und da kann man nicht so durcheinander quatschen, wie wenn sich alle zusammen in einem Raum treffen. Und wir haben uns gegenseitig mehr ausreden lassen. Das hat uns allen – so glaube ich – gut getan. Und so sind wir auch zu guten Entscheidungen gekommen und haben ein paar wichtige Schritte für die Zukunft beschließen können. Ansonsten war man sehr auf sich gestellt und konnte erst im Nachhinein einem Kollegen die neue Aufnahme schicken. Die Arbeitsweise war eben anders, hatte auch was für sich. Wir sind aber als Musiker gewohnt, immer aus veränderten Situationen das Beste zu machen, das ist unser täglich Brot. 

Wie bereitet ihr euch auf den Auftritt vor?

Dominic: Wir Sänger treffen uns oft eine halbe Stunde vor dem Auftritt. Dann wird sich zusammengesetzt. Meist kommt Kosho mit dazu, sodass wir auch ein Instrument mit dabei haben. Dann wird begonnen sich einzusingen, sich einzugrooven, dann wird auch geprüft, ob sich alles gut anhört und anfühlt. Ja, und dann setzen wir uns zehn Minuten vor dem Auftritt noch einmal alle zusammen. Dann wird gemeinsam gesungen und man geht auch mit dem Gefühl auf die Bühne: „Es klappt alles, es passt alles, jeder ist am Start“. Wenn wir auf Tour sind und der Auftritt am Abend stattfindet, dann ist man teilweise am Morgen um 11 oder 12 am Start und kann dann nochmal ins Hotel. Auf den großen Touren waren wir ja teilweise sechs bis sieben Sänger. Da gibt es eben das Ritual, man trifft sich, es werden noch ein bis zwei Songs angesungen und dann geht’s los. Und wenn es sich gut anfühlt, hat man noch mehr Bock auf die Bühne. 

Kosho: Die Musiker sind ja sogar schon beim Soundcheck, etwa drei Stunden vor Showtime dabei.  Dominic sagt das schon ganz richtig, wir haben kurz vor dem Auftritt eine ganz wichtige intensive „Zusammenkommphase“, um uns einzustimmen.

Sie haben auch schon mal eine „Tochter“ in die Gruppe involviert. 

Kosho: In einem neuen Projekt, dem „Söhne Mannheims Jazz Department“, haben wir jetzt tatsächlich die Sängerin Phallée aus Köln, die zusammen mit einem unserer Sänger, Michael Klimas, Söhne-Klassiker singt, aber in einem neuen, jazzigen Gewand. Am 17. Juli erscheint die Debüt-Single „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ und im September das komplette Album. Es ist eine Hommage an die Originalversionen und gleichzeitig eine Neudefinition im Hier und Jetzt des zeitgenössischen Jazz. Produziert hat unser musikalischer Leiter und Bassist Edward, Ralf Gustke spielt Schlagzeug und ich Gitarre. Ansonsten war noch nie in Dauerbesetzung eine weibliche Stimme in der Band mit dabei. Aber wir hatten schon tolle weibliche Gäste und beispielsweise einen unvergesslichen Auftritt beim Blue Balls Festival in Luzern in der Schweiz – zusammen mit Nneka, einer Sängerin nigerianischer Herkunft. Und mit ihr und Wolfgang Niedecken von BAP gestalteten wir ein ganzes Konzert, das wunderbar und aufregend war.