Magische Zahl für den Kräuterstrauß

Mariä Himmelfahrt wird meist in den katholischen Gegenden gefeiert

Der Höhepunkt der sommerlichen Marienfeste bietet sich am 15. August mit Maria, besser Mariä Himmelfahrt, bestens an. Jedes Jahr wird dabei der Aufnahme Marias in den Himmel gedacht. Nach den Überlieferungen rief dabei Christus seine Mutter Maria nach ihrer Beerdigung heim und ihre „Leiche schwang sich mit Lichtern und Engeln in den Himmel empor“. Die erste Darstellung der leiblichen Aufnahme Mariä, die stehend betend von Engeln gen Himmel getragen wird, ist in St. Gallen auf einem Elfenbeinrelief des Tutilo um 900 dargestellt. Damals ordnete Kyrill, der Patriarch von Alexandria, an, dass der 15. August, der als Wendepunkt des Sommers galt und wegen seiner Hitze arbeitsfrei war, das Marienfest sei.

Nennt die römische-katholische und orthodoxe Kirche das Fest „Mariä Himmelfahrt“ wohl das „größte Fest des Sommers, das wahre Erntefest“, so lobpreist sie auch, was ringsum auf dem Feld, im Garten wächst oder die Landschaft  füllt. Die Zeit der Reife, der Ernte, der Blumenpracht und der erfüllten Fruchtbarkeit hat begonnen. Wie zum Johannisfest gilt auch zu Mariä Himmelfahrt der Brauch der Kräuterweihe, der bis in den Gottesdienst reicht, dort Segnung erhält, um vorbeugend gegen allerlei Unheil, vor allem gegen Gewitter zu wirken. Das Sammeln und Weihen der Kräuter begrenzt sich dabei nicht nur auf den 15. August, sondern währt vier Wochen bis zum 13. September, der übrigens den Namen „Marien dreißigst“ oder „Frauendreißigst“ genannt wird. Innerhalb dieser 30 Tage erwarten die Pflücker von den Blumen und Kräutern schützende und heilende Kraft. Selbst die Schlangen sollen in dieser Zeit ihr Gift verlieren. 

Am 15. August finden in den katholischen Kirchen, vornehmlich im Süden Deutschlands, die Pontifikalämter, die sogenannte „feierliche Bischofsmesse des Diözesanbischofs“ statt. Dabei tritt der Bischof deutlich erkennbar als Vater des Bistums hervor. Er führt den Bischofsstab mit sich und nimmt Platz auf dem Bischofsstuhl, der Kathedra. 

Mit der Kräuterweihe am 15. August erinnert die katholische Kirche an die legendäre Grabesöffnung Mariens. Statt des Leichnams fanden die Apostel dort Rosen und Lilien vor und vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter der Gottesmutter. Vielerorts wird gezeigt, wie ein solcher Kräuterbüschel gebastelt wird und wofür die einzelnen Pflanzen stehen. Dabei gilt es einiges zu beachten. Die Zahl der Kräuter soll nämlich „magisch“ sein, mindestens sieben Kräuter müssen die „Binder“ also sammeln. Aber auch neun (drei mal drei), zwölf (für die Apostel) oder gar 77 sind möglich. Nach der Weihe finden die „Sträuße“ ihren Platz im Haus, meist im sogenannten „Herrgottswinkel“. Fast jede einzelne Pflanze hat eine bestimmte Bedeutung.

Die Mitte bilden Rose (Maria) und Lilie (Josef). Rosmarin soll zum guten Schlaf verhelfen, Salbei zu Wohlstand, Weisheit und Erfolg. Wermut verspricht Kraft, Mut und Schutz, Minze Gesundheit. Arnika schützt gegen Feuer und Hagel. Für Glück und Liebe steht die Kamille, Getreide für das tägliche Brot. Unseren Strauß schmücken außerdem Wilde Möhre, Basilikum und Spitzwegerich.