Kinder als Werber

Ausstellung im Baumbachhaus beweist 150 Jahre Kinderwerbung

Die Geburtsstunde der Werbung mit Kindern schlug vor 150 Jahren: In Paris setzte der Besitzer des größten Kaufhauses seine Idee um, kleine bunte Sammelbilder in Serie herzustellen und bei den Einkäufen der Eltern kostenlos an deren Kinder zu verteilen. Der Hintergrund war einleuchtend. Die Jüngsten sollten sammeln und die Eltern zum Wiederkommen anregen. Und mit dieser ersten Werbeidee wurden Kinder bewusst ausgewählt, um für Produkte und Leistungen zu werben oder Eltern zum Kauf zu animieren. Nur wenige Zeit griffen bekannte Firmen diese Idee auf und nutzen die Jüngsten im Zeitalter der industriellen Massenproduktion für Markenartikel und Fabrikmarken. Denn die Produkte mussten bei gleichbleibend guter Qualität Beständigkeit und Zuverlässigkeit ausstrahlen.

Diese rasante Entwicklung dokumentiert eine aktuelle Ausstellung, die vom Kranichfelder Dr. Otto Hahn kuratiert wurde. Für das Baumbachhaus stellte der engagierte Sammler 35 großformatige Tafeln, u.a. Reklame und Werbeanzeigen, zusammen. Es erstaunt, wer und über was alles angepriesen wird. Egal ob Liebigs Fleischextrakt (1872) wie auch Nestle 81875, Henkels Bleichsoda (1878), Maggis Suppenwürze (1886) oder das Mundwasser Odol (1893), Kinder bewarben die Artikel, die es oft auch heute noch in den Supermarktregalen gibt. Ob Zwieback oder Rasenmäher, ob Schokolade oder Spielzeug, immer finden sich strahlende Kindergesichter, die genau diese Produkte toll finden. Doch damit längst sind die Werbestrategien der Vorväter noch längst nicht erschöpft, denn neben Plakaten und Flyern, neben wöchentlich wechselnden Anzeigen in Zeitungen erfanden die findigen Werbestrategen auch Spiele, Lesezeichen, Werbeausschneidebögen ….

Die Motive, die sich oft auch an Häuserwänden, den Litfasssäulen oder auf Emailleschildern wiederfinden, dokumentieren auch Zeitgeschichte und beweisen die damals noch selbstverständliche Kinderarbeit. Sie laden aber auch ein, Orte zu besuchen, in denen es sich gut leben und lustwandeln lässt. Ein solcher Ort ist beispielsweise das Riquet in Leipzig, dass heute noch mit seinem großen Elefanten über dem Eingang auffällt und die Einheimischen zu Café verführt. Und einmal beim Schlemmen angekommen, locken die auffälligen Werbeplakate auch über Schokolade und Kakao, die besonders in der dunklen Jahreszeit zahlreiche Genießer findet.

Beim Besuch des Baumbachhauses empfiehlt sich ein vorherige Blick auf die Website, denn coronabedingt können andere Öffnungszeiten bestehen. Die diesjährige Weihnachtswinter-Ausstellung soll aller Voraussicht nach bis im Februar 2021 zu besichtigen sein.