Im Gespräch mit der Sozialarbeiterin Alina Grigoryan

„Wir sind offen für Begegnungen“

Apolda. Der Förderkreis zur sprachlichen, beruflichen und kulturellen Integration in Thüringen e.V. im Interkulturellen Begegnungszentrum (IBZ) „Kennen & Lernen“ ist auch in Apolda aktiv. Der in der Stobraerstraße 2 beheimatete Verein hilft, wo er kann. Wir kamen mit der Sozialarbeiterin Alina Grigoryan ins Gespräch.

Frau Grigoryan, wie viele Flüchtlinge gibt es in Apolda bzw. betreuen Sie denn in Ihrem Förderkreis?

In Apolda wohnen ca. 1000 Flüchtlinge, anerkannt oder noch im Asylverfahren.

Woher kommen die meisten Geflüchteten?

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Nigeria und Eritrea.

Warum flüchten Menschen aus ihren Heimatländern?

Die Fluchtursachen gestalten sich vielfältig und komplex: Krieg, Verfolgung, Vertreibung, politische Gründe, Volks- und Religionszugehörigkeit.

Warum kommen Schutzbedürftige nach Deutschland?

Deutschland gewährt Asyl nach Maßgabe von internationalen Verpflichtungen, das auch unserem Grundgesetz entspricht.

Mit welchem Aufenthaltsstatus dürfen Flüchtlinge in Deutschland denn eine Ausbildung machen?

Während des Asylverfahrens verfügen Flüchtlinge nur über eine Aufenthaltsgestattung. Sofern sie eine Beschäftigungserlaubnis besitzen, können sie eine Ausbildung beginnen. Wenn ihr Asylvertrag beschieden wird, erhalten sie eine Aufenthaltserlaubnis und können ihre Ausbildung problemlos fortsetzen. Für weiteren Aufenthalt ist eine Klärung der Identität der Personen eine wichtige Voraussetzung.

Welche Sprachkenntnisse sollten Geflüchtete für eine berufsvorbereitende Maßnahme oder eine Ausbildung mitbringen?

Damit Geflüchtete gute Chancen haben, sollten bestimmte qualifizierende Voraussetzungen für den Zugang gegeben sein. B1/B2 bis zur Stufe C1 zur Aufnahme eines Hochschulstudiums.

Können Auszubildende denn mit Duldung ihre Ausbildung in einem Unternehmen abschließen?

Mit Zustimmung der Ausländerbehörde und unter Berücksichtigung des Einzelfalls, ja.

Gibt es finanzielle Unterstützung für den Azubi und den Ausbildungsbetrieb?

Wegen der Wahrung der Chancengleichheit aller Azubis gibt es hier keine extra Zuwendung. Eine begleitende weitere Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache kann angeboten werden, denn die Sprache ist schließlich der Schlüssel zum Erfolg. Das ist in der Regel möglich.

Wie funktioniert die Arbeitsmarktintegration, ich meine damit die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Integrationskurse, Arbeit und Ausbildung?

Das ist ein weites Feld. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse braucht eine gewisse Bearbeitungszeit, ist aber durchaus hilfreich für die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Hier arbeiten wir in enger Abstimmung mit der Arbeitsverwaltung, den zuständigen Kammern und Einrichtungen, und natürlich mit dem Kandidaten zusammen. In den letzten Jahren konnten wir hier gute Ergebnisse erreichen.

Was tun Sie gegen Rassismus und Vorurteile?

Aus unseren interkulturellen Schulungen und praktischen Erfahrungen haben wir über viele Jahre gelernt, mit diesen Problemen umzugehen und vertreten antirassistische Positionen im haus und auch darüber hinaus. Verbreiteten Vorurteilen begegnen wir durch niederschwellige Begegnungen, bei denen bei einer Tasse Kaffee oder Tee Ängste und Vorurteile abgebaut werden. Wir sind offen für Begegnungen, das ist unsere Arbeitsweise.

Das Gespräch führte Hartwig Mähler