Heimat kann man schmecken

Zweiter Internationaler Tag der Bratwurst in Holzhausen wurde mit vielen Angeboten gefeiert

 

Die langen Schlangen an den Bratwurstständen freuten zwar nicht die „Anstehenden“, jedoch bewiesen sie den ungebrochenen Zuspruch bzw. Appetit an der „Thüringer Bratwurst“. Dazu kamen am letzten Ferientag, den 16. August, Groß und Klein nach Holzhausen , um den Zweiten Internationalen Tag der Bratwurst zu zelebrieren, der in diesem Jahr gemeinsam vom 1. Deutschen Bratwurstmuseum und der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgerichtet wurde. Neben dem Genießen und Schauen gab es auch die Möglichkeit, miteinander in Gespräch zu kommen.

Ferientag und Feiertag, gleich zwei Gründe für die Thüringer, um neben Bratwurstwaage, Bratwurstsonnenuhr sowie Bratwurstplapperhäuschen auch Pläne des in Thüringen heiß diskutierten Neubaus in Mühlhausen zu diskutieren. Eigens dazu stellte sich der leitende Architekt Sebastian Machleb den vielen Fragen, die sich um das neue Museum drehten. Den Feiertag nahmen aber auch die MitarbeiterInnen und Freunde der Konrad-Adenauer-Stiftung, zum Anlass, um mit einem dazu angereisten „Demokratie-Mobil“ zu informieren. Dazu boten die Gastgeber eine Reihe von Formaten an. Neben vielen Informationen, dem Wursttalk mit prominenten Gästen, Showgrillen mit Tanya Harding sowie ein Vortrag zur Geschichte der Thüringer Bratwurst lockte auch ein Gewinnspiel mit wertvollen Preisen.

Die Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung waren dabei schon von weitem zu erkennen. Neben ihrem Logo in Blau bestachen die T-Shirts in modernem Design. „Wir möchten neue Wege gehen und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen“, betonte Tillmann Bauer-Die Bratwurst sei in Thüringen ein Symbol für Heimat. Somit stelle die Veranstaltung einen guten Anlass da, um mit den Besuchern darüber ins Gespräch zu kommen, was für sie Heimat ausmacht. Ohne Heimatgefühl könne Demokratie nicht funktionieren, denn Menschen engagierten sich da, wo sie sich zuhause fühlen, so der Wissenschaftliche Mitarbeiter der Stiftung. Gleichzeitig brauche Heimat auch immer den Austausch mit anderen, den Blick über den Tellerrand. Die Bratwurst selbst mache es vor, denn ohne Gewürze aus Kleinasien keine Thüringer Spezialität.

Aber auch das leckere „Kulturgut“ kommt ohne Gewürze nicht aus und schmeckt in fast jedem Ort anders. „Die echte Thüringer Bratwurst gibt es nicht!“ Diese Meinung kam aus berufenem Munde. Der amtierende Bratwurstkönig Norbert aus Suhl legte noch seine Meinung drauf: „Von Metzger zu Metzger: Jede Bratwurst schmeckt anders“. Er wehrte sich gegen die „Einheitsbratwurst“. Gleichfalls erzählte die Hoheit schmunzelnd über die Meinungen, dass der regelmäßige Genuss von Thüringer Bratwurst zu Hautstraffung beitrage sowie das vorherige Einlegen der Bratwurst in Milch das Platzen der Haut verhindere. Mit großen Gesten lud der König die Gäste zu gemeinsamen Fotos ein. Dabei blieb der Smalltalk nicht aus. Eins der wichtigen Themen war natürlich der Bau des Bratwurstmuseums in Mühlhausen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge ließ sich auch Thomas Mäuer auf diese Gespräche ein. Schließlich begann der Geschäftsführer 2006 mit dem Aufbau des Museums, um die Gäste mit regionalen Informationen zum Verweilen einzuladen. Immer wieder gewachsen, kümmerte sich auch ein Verein ehrenamtlich um die passenden, im größer werdenden Rahmenbedingungen. So ziehen in der Veranstaltungs-Scheune hochkarätige Künstler längt ein großes Publikum an. Das Areal nebst Angeboten sprengt aber den „Raum“. Da die Strukturen schnell gewachsen, ist auch Holzhausen längst an Grenzen gestoßen. Keine Grenzen kannten die Feiergäste am 16. August. In Gesprächsrunden, die sich um Heimat, Demokratie, Toleranz und Freiheit bewegten, wurden sogar hie und da Mauern eingerissen.