Großer Auftritt für einen neuen Stil

Das Kunsthaus Apolda zeigt ab 16. Mai Ikonen der Pop Art

Das Kunsthaus von Apolda ist bislang relativ gut über die Coronakrise gekommen. Als die vielbeachtete Albrecht-Dürer-Ausstellung schließen musste, hatten sie bereits 10 800 Gäste besucht. Nun schickt sich die Villa in der Bahnhofstraße ab 16. Mai an, Pop Art aus England und den USA zu zeigen. Als diese Kunst in den 50er Jahren aufkam, konnten viele Betrachter wenig anfangen mit den scheinbar nur abgemalten oder kopierten Objekten. Dies änderte sich in 60er Jahren, als die Warenwelt zu neuen Vorbildern in der Kunst wurde.

Die aus den bekannten Gründen ohne die übliche Vernissage beginnende Ausstellung lädt zu einem spannenden Dialog mit rund 80 Werken ein. Wie man weiß, gilt die Kunst mit den drei Buchstaben bis heute als letzter großer Stilwechsel der Kunstgeschichte. Dabei erweist sich die neue, verständliche Richtung des Pop als durchaus dominierend anderen gegenüber und aktuell bis in unsere Gegenwart mit Design, Architektur und Mode. „Kein anderer Stil ist so radikal und zugleich als Massenphänomen mit dem Alltagsleben ganzer Gesellschaften verbunden. Dabei hat die Pop-Art keinen einheitlichen Stil, sondern ist, unmittelbar einhergehend mit dem Aufkommen der Hippie-Bewegung, Ausdruck eines urbanen Lifestyles der jungen Generation der westlichen Industrienationen“ (ARTOMA Kultur- und Kunstmanagement Hamburg).

Populäres und Banales vereint die mediale Schau der großen Namen. Unter den bekannten englischen Künstlern ist der Maler und Grafiker Richard Hamilton. In seinen Collagen aus Fotografien, Plakaten und Reklame karikiert er den „american way of life“, der auf Körperkult, Konsum und flache Unterhaltung zielte. Sir Peter Blake wiederum schuf Bildkompositionen von Musikern und Filmstars. Seine gemalten Collagen, vergrößerten Postkartenmotive und malerisch adaptierten Poster spielen mit der Oberfläche, wie es typisch ist für die Pop-Art. Beliebt für seine blauen Poolsichten ist der auch als Bühnenbildner und Fotograf bekannte David Hockney. In ihrer leuchtenden Farbigkeit betonen sie die Sonnenseiten des kalifornischen Lebens. Der durch seine Skulpturen bekannte Allen Jones widmete sich besonders erotisierenden Frauen und provozierte zwischen Figuration und Abstraktion.

„Die Pop Art in den USA fußt auf dem erwachten Selbstbewusstsein der amerikanischen gegenüber der europäischen Kunst und ist das Ergebnis der Suche nach einer neuen Ausdrucksform in einer aggressiven, von `popular culture` geprägten Gesellschaft“ (ARTOMA). Es war Andy Warhol (das Kunsthaus Apolda widmete ihm 2018 eine Personalschau), der in seiner legendären Factory konsequent dem Prinzip der seriellen Reihung folgte. Auf der anderen Seite kritisiert der stilprägende Roy Lichtenstein farbkräftig und subtil die Ästhetik von Werbung und Comic. Ähnlich Plakatives findet sich in den überlebensgroßen Porträts von Alex Katz. Gestalterisch beschränkt er sich auf das Wesentliche der gewählten Bildmotive. An die Werbemalerei denken lässt auch der Objektkünstler Tom Wesselmann mit farbstarken übergroßen Arbeiten zum weiblichen Körper, erinnert sei nur an seine Badewanneninstallation. Schließlich thematisiert Mel Ramos spielerisch das Marketing und die „Sex Sells“, denn: Sex verkauft sich immer.

  Bis zum 26. Juli ist Gelegenheit, die großartige Schau aus jener Zeit zu sehen, da auf das Abstrakte das konkrete Alltägliche folgte.- Nächste Ausstellung im Kunsthaus soll ab 20. September „Marc Chagall. Von Witebsk nach Paris“ sein.  

Wolfgang Leißling

 

Bildunterschriften:

Roy Lichtenstein, „Crying Girl“, 1963, Farblithografie, 43,8 x 59 cm, Courtesy: Sammlung Großhaus, © Estate of Roy Lichtenstein / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Dennys Hill

Andy Warhol, „Fiesta Pig“, 1979, Farbserigrafie, 54,5 x 77,5 cm, Courtesy: Sammlung Großhaus, © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, New York, Foto: Dennys Hill.