Apolda: Geschickte Hände neue Tätigkeitsfelder

Wo wenn nicht in Apolda finden geschickte Hände neue Tätigkeitsfelder? Genau in dieser Stadt, liebevoll auch als Strickerstadt bezeichnet, besitzen das kreative Arbeiten und Schneidern eine lange Tradition. Der wohl berühmteste Vorfahr; David der Strickermann brachte die Kunst, Strümpfe zu stricken, nach Apolda und wurde wohl damit der eigentliche Begründer der hiesigen Fabrikation. Und diese Arbeit, die Jahrhunderte für Lohn und Brot sorgte, setzte sich in der DDR fort und ist nun mit interessanten modernen Strickateliers im Hier und Jetzt angekommen.

Dank der zählbaren Manufakturen und Modeateliers genießt die Stadt einen hervorragenden Ruf für Mode- und Strickdesign. Und seit einigen Monaten etabliert sich ein neues, vom Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz gefördertes Projekt, das neue Apoldaerinnen auf den Weg brachten. Denn sie verknüpfen das Wissen aus ihren eigentlichen Berufen in den Heimatregionen mit aktuellen Schnitten und Trends. Diese Vielfalt unterschiedlichster Herkunftsländer und ihrer Berufe ist Grundlage des Projektes, das auch die »Vielfalt der Stille« bezeichnet wird. Ein Hintergrund des Projektes ist es dabei, eine Sprache zu lernen und sich zu integrieren. »Nützlich machen, Arbeiten und mit den geschneiderten Teilen anderen interessierten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern«, haben sich die ersten drei Frauen auf die Fahnen geschrieben.

Alte und neue Stoffe sowie alte Kleidung erhielten dort mithilfe neuer Schnitte und geschickter Hände eine neue Trageberechtigung, die sich kurzgeschrieben in der »Ethnomode« wiederfindet. Der Reiz dieser Mode besteht darin, dass Kombinationen verwendet werden, die aus traditionellen Kostümen von verschiedensten Teilen der Welt bestehen. Der Startschuss für das Projekt fiel im Januar 2020 mit Unterstützung des Förderkreises Integration. Der erste Faden in die Nadel wurde im Raum des Apoldaer Bildungswerkes e. V. eingefädelt. Allerdings startete das Projekt aufgrund des globalen Problems durch COVID 19 und der obligatorischen sozialen Distanzierung mit drei Personen. Im Laufe der Monate erhöhte sich die Teilnehmerzahl auf zwölf Personen, die nunmehr in zwei Schichten arbeiten. Die ursprüngliche Idee, neue Mode zu schneidern, rückte mit COVID 19 immer mehr in den Hintergrund und so begannen die hoch ambitionierten Teilnehmerinnen zuvorderst verschiedene Modelle wiederverwendbarer Mund- Nasen-Bedeckung zu entwerfen und zu schneidern. Auch dieser Anfang war schwer, weil nicht genügend Schneidermodelle zur Verfügung standen.

Im Laufe der Zeit wurden die Teilnehmer jedoch geschickter und konnten für verschiedene Institutionen, so beispielsweise dem Förderkreis Integration, das Museum oder Kreisvolkshochschule, über 500 Stücke verschiedener Größen Maskenmodelle geliefert werden. Nachdem sich Lockerungen bezüglich der Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen einstellten, begannen die Frauen mit dem regulären Schneidern. Allerdings, nur wenige Modelle wurden fertig, denn schon fertigen fleißige Hände neue Masken an … in der Erwartung, die Masken nicht für eine zweite Welle der Krise nutzen zu müssen. Das Fertigen von Masken schafft eine gewisse Geschicklichkeit und Routine im Umgang mit den Maschinen. Bald schon, so hoffen die Frauen, können sie dann Ethnomode einem jungen Publikum präsentieren und damit ein klein wenig Heimatgeschichte weitergeben, vielleicht mit den neuen Fertigkeiten Arbeit finden oder den Schritt in die Selbständigkeit wagen.