Farbe ist faszinierend

Gedanken über die vergangene und nächste Fotoausstellung von Linda Troller in Apolda

 

Zu Deutschland im Allgemeinen, zu Thüringen im Speziellen spürt Linda Troeller eine ganz besondere Liebe. Diese Zuneigung reiche, so in einem Gespräch, bis ins Jahr 1994 zurück, als die weltbekannte Fotografin den Auftrag erhielt, die Toskana des Ostens auf Bildern festzuhalten. Micky Remann konzipierte damals Liquid Sound als ein Hör-Erlebnis, als Kombination von Wasser und Klang. Und es „bedurfte einer Künstlerin wie Linda Troeller, um daraus eine korrespondierende Bildsprache zu entwickeln, mit der die Menschen mit visuellen Mitteln in den sprichwörtlichen „halb träumend, halb tanzend“-Zustand des Liquid Sound Badens gelockt werden konnten“, beschreibt Marion Schneider das Finden dieser weltbekannten Fotografin. Seit dieser Zeit mehren sich die Aufträge und dementsprechend auch Aufenthalte im Weimarer Land. Parallel dazu wuchs natürlich auch ein Fundus an Fotografien, die wiederum reichten, den Kunstwerken einen passenden „Raum“ zu bieten. Dieser wurde in der Apoldaer Kulturfabrik gefunden. Die 35 Ausstellungstage sind um, die Finissage mit großem Erfolg vollzogen. Was bleibt, ist eine großartige Schau mit einer großen Auswahl an nachdenklich machenden, atmosphärischen Fotos auf drei Ausstellungsebenen sowie vielfältige, manchmal spontane Begleitveranstaltungen, gleichfalls gute Gespräche mit und über die Künstlerin. 

Linda Troeller mag ihre Fotos, nicht nur Landschafts- sondern auch die Frauenbilder. „Und Menschen, die ich fotografiere, bleiben gewöhnlich in meinem Leben“, weiß die Künstlerin mit einen Blick auf Marion Schneider. Es sei ihr gleich, ob die Werke analog, digital, in Farbe oder in schwarz/weiß vorliegen. Jede Zeit und jede Idee habe wohl auch die passende Technik hervorgebracht. Anfangs in schwarz/weiß fotografiert, entdeckte sie irgendwann die Farbe für sich. Danach war es um sie „geschehen“. Denn „Farbe ist faszinierend“. Meistens habe die Künstlerin vor dem Fotografieren schon das Thema und den Ort im Kopf. Und auch ihre „Lieblingsaufnahmen“, auf die sie zielsicher verweist, scheinen oft zeitlos, wie aus einem Rahmen gefallen. Sie schätze besonders die Motive in der Toskana des Ostens, die sie vor Jahren fotografiert hat, meint Linda Troeller und erzählt vom Rapsfeldfoto. Dieses Motiv ist sofort präsent. Gemeinsam mit weiteren, fast schon zum Allgemeingut zählenden Kunstwerken sorgten sie für neue Blicke für die Heimat und nicht zuletzt frischen Wind und Mut für Neues.

Die Naturfotografien, deren Motive oft „verschwimmen“, manchmal auch Nebel versinken, rücken wohl nächstes Jahr in den Hintergrund. Das Sommer-Thema 2020 „Women Empowerment – Starke Frauen“ – ruft aber eine andere Frau auf den Plan, mit der Troeller eine 25jährige Freundschaft verbindet. So bekommen die Fotografien von Marion Schneider Raum und verraten vielleicht auch den Betrachtern, was vorher verborgen blieb.