Ein Quartier der Moderne

Neues Bauhausmuseum eröffnet und tausende Gäste wollen es sehen

Ein neuer Ort der Auseinandersetzung mit den Ideen der weltweit bedeutsamen Schule für Kunst, Architektur und Design öffnete am ersten Aprilwochenende seine Drehtüren. Am Gründungsort des Staatlichen Bauhauses Weimar fordert nun das neue Bauhaus-Museum zur Diskussion, der Auseinandersetzung und der sinnlichen Erfahrung heraus und bietet spannende sowie einzigartige Exponate der frühe Phase der bedeutendsten Design- und Kunstschule des 20. Jahrhunderts als Grundlage. 

Wie die leitende Architektin Heike Hanada am Eröffnungswochenende erklärte, sei das Museum auf einen geometrisch klaren Körper reduziert. Eine Hülle aus hellgrauem Beton verleihe dem Kubator Festigkeit und plastische Massivität. Am Gebäude befestigte Lichtlinien bringen dabei das Gebäude zum Schweben und lösen die „Schwere des Gebäudes“ auf. Daher sind wohl auf den ersten Blick die fünf Raumebenen und 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche nicht zu vermuten. Doppelgeschossige Lufträume und Kaskadentreppen laden zudem zum Flanieren und Verweilen ein. Als das „Herzstück des neuen Quartiers der Moderne“ bezeichnete Oberbürgermeister Peter Kleine das neue Gebäude, dessen älteste Bauhaus-Sammlung der Welt nun in einer Ausstellung den kulturellen Bogen vom ausgehenden 19. Jahrhundert über die ambivalente Moderne bis hin zur Gegenwart in ganzer Fülle auf engem Raum erlebbar mache. Das neue Museum legt mit diesem Neubau nach und stellt sich in die Riege der drei Bauhausstädte. So ragen in Dessau der berühmte, 1926 von Walter Gropius entworfene Schulbau und die Meisterhäuser heraus. Die Berliner verwalten im Bauhaus-Archiv die weltweit umfangreichste Sammlung zur Geschichte. Die Weimarer Sammlung hingegen wuchs auf 13.000 Bauhaus-Objekte an und wartete geduldig, um endlich wieder ans Tageslicht zu kommen. Immerhin tausend sind nun in der ständigen Ausstellung zu sehen. Darunter befinden sich das wohl ikonischste Objekt der frühen Jahre, die Bauhaus-Wiege von Peter Keler, aber auch Arbeiten aus der Keramikwerkstatt in Dornburg. Gleichfalls zogen edle Leihgaben von Mies van der Rohes Liegen, Regalen und Bridgetischen aus dem Haus Tugendhat in Brünn, die berühmten Lattenstühle und Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer sowie andere Einzelstücke aus den Werkstätten ein. Walter Gropius überließ diese noch kurz vor seinem Abgang aus Weimar den städtischen Kunstsammlungen. Bei all den Stücken verknüpften die Macher die Geschichte der Designschule mit aktuelle Fragen der Lebensgestaltung und werden damit nicht nur Bauhaus-Fans, sondern auch Schüler und Wissenschaftler herausfordern. Die zeitgleich eröffnete Ausstellung „Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900“ im benachbarten Neuen Museum zeigt die Vorgeschichte des Bauhauses mit Werken des Realismus, Impressionismus und Jugendstils. Überdies greift ab dem 18. Mai eine neue Ausstellung im Haus Am Horn einzelne Aspekte der Ausstellung im Bauhaus-Museum auf.

Öffnungszeiten

Montag: 10-14.30 Uhr

Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Der Freistaat Thüringen und der Bund finanzierten den Bau – ein minimalistisches Gebäude mit Glaskubus – mit insgesamt mehr als 27 Millionen Euro. Für die Ausstattung, die Ausstellung und Vermittlung standen der Klassik Stiftung 5,60 Euro zur Verfügung, die zu einem großen Teil aus EFRE-Mitteln finanziert wurden.