Digitale Welt wird Begegnung von Mensch zu Mensch nicht ersetzen

Die Leiterin des Thüringer Landesbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung Maja Eib spricht über neue Ideen und neue Formate 

Die Entwicklungen und Ereignisse dieses Jahres haben den Trend der Politisierung und Polarisierung in nahezu allen Lebensbereichen drastisch verschärft. Und die Corona-Pandemie mit ihrer Auswirkung auf das öffentliche, das Familienleben und auf die Wirtschafts- und Arbeitswelt traf auch die Konrad-Adenauer-Stiftung. Das Politische Bildungsforum Thüringen möchte auch künftig, ausgerichtet an neuen Fragen, Experten aus der Praxis, Wissenschaft und Politik in Form von Interviews, Vorträgen und Diskussionsrunden zu Wort kommen lassen und mit den Menschen weiter im Gespräch bleiben. Ich kam mit der Leiterin des Landesbüros Maja Eib ins Gespräch.

Frau Eib, das Team des Politischen Bildungsforums Thüringen ist auch während der „Corona-Zeit“ überaus aktiv. Kann man das so sagen?

Ja. Am Anfang der Corona-Zeit hatten wir für einen Moment eine Schockstarre. Wir waren ja mitten in einem unserer Hauptveranstaltungensmonate März und mussten dann sehr schnell Tag für Tag entscheiden, welche Veranstaltung und in welchem Zeitraum wir stornieren. Das tat weh. Denn auch unsere große Festveranstaltung zu 100 Jahren Freistaat Thüringen auf der Wartburg fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Zugleich entschied sich unsere Stiftung sehr schnell, auch unsere eigenen Mitarbeiter zu schützen und hat es geschafft, die Mitarbeiter innerhalb von vier Wochen auch zu Hause „arbeitsfähig“ zu machen. In dieser Beziehung war das ein großer Innovationsschub sowohl für die Stiftung als auch für die Mitarbeiter. Wir suchten nach neuen digitalen Gesprächs- und Veranstaltungsformaten. Das hieß, sich mit Programmen vertraut zu machen und zu schauen, welche gut für Seminare passen und sich für Referenteninterviews eignen. Und dann fingen wir in der Tat an, im April Online-Veranstaltungen auf den Weg zu bringen. Anfang Mai starteten wir im Rahmen der Europawoche Live-Talks mit bundesweit vielen europapolitischen Akteuren. Zu unserer großen Überraschung und Freude gab es einen großen Zuspruch und auch die ersten Online-Seminare hatten einen guten Zulauf. Wir wissen aber auch, dass damit eine neue Zielgruppe verbunden ist und nach längerer Zeit so etwas wie eine „digitale Müdigkeit“ einkehrt, denn man bekommt von allen Seiten aktuell ja ungezählt viele Angebote. 

Sie bieten Online-Veranstaltungen und Chats an. Wie kann man sich solche Gesprächsrunden konkret vorstellen?

Hier müssen wir differenzieren. Das Format, was wir anbieten, ist das Online-Seminar. Wir werben hierfür über Email und auf unserer Homepage. Auf dieser findet sich das Veranstaltungsangebot bereits mit einem Link, der anzeigt, wie und wo man sich im digitalen Raum bewegen wird. Wir nutzen hierfür aktuell das Programm Adobe Connect, das es den Teilnehmern ermöglicht, Vorträge live zu erleben und wie im analogen Bereich mit den Referenten interaktiv im Gespräch zu sein. Dies funktioniert aktuell am besten über eine sogenannte Chat-Funktion im Programm. Gleichfalls haben wir weitere Formate, wie das Live-Interview oder Podcasts zu aktuell bewegenden Themen, über Facebook und Instagram genutzt. Eine Zusammenfassung zum Nachlesen oder kleine Videos gibt es zudem auch auf unserer Homepage. 

Ihr Programm für das zweite Halbjahr 2020 liest sich spannend und abwechslungsreich. Wer kann es nutzen? Sind die Angebote barriere-, gar kostenfrei?

Ich glaube, wir haben hier für jeden etwas dabei. Ob ehrenamtlich Engagierte, Familien, Lehrer oder Schüler. Ob online oder analog, jeder, der an aktuellen Fragen zur Zukunft Deutschlands und unserer Gesellschaft interessiert ist, kann teilnehmen und das kostenfrei. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen und Mitdiskutieren.  

Welche Projekte liegen Ihnen im zweiten Halbjahr besonders am Herzen? 

In diesem Jahr ist das Projekt „Gemeinsam Demokratie gestalten“ ein ganz wichtiger Eckpfeiler, denn wir sprechen besondere Zielgruppen an. Eine, die Familie, ist mir, auch aus persönlichen Gründen, ganz wichtig. Für diese haben wir eine eigene Veranstaltungsreihe „Reden wir über Familie“ gestartet, die als Abendtalk der Adenauer-Stiftung aktuell über Facebook-Live gestaltet ist. Zudem greifen wir Themen der Digitalisierung auf und möchten dabei alle Teile der Gesellschaft mitnehmen und die Barrieren niedrig halten. Wir wissen natürlich, dass hierfür das große Thema des Breitbandausbaus Voraussetzung ist und auch die Gefahren und Herausforderungen durch Deep Fake, Fake News, Verschwörungstheorien und Kriminalität im Internet nicht gering geschätzt werden dürfen. Zugleich ist Europa weiterhin ein ganz großes Thema. Im Erfurter Europa-Gespräch sprechen wir über die Deutsche Ratspräsidentschaft, haben den polnischen Botschafter zu Gast und blicken auf „30 Jahre Deutsche Einheit“. Was uns bereits das ganze Jahr begleitet, ist das Thema „100 Jahre Freistaat Thüringen“. Dazu geben wir eine spannende Publikation heraus. Ein neues digitales Format ist das Thüringen-Tagebuch. Mit Menschen verschiedenster Berufsschichten haben wir zur privaten und beruflichen Situation Interviews geführt, um kleine Botschaften und Geschichten zu erzählen, die Mut und Hoffnung zeigen. Und das Format führen wir weiter. Denn vieles hat sich nicht erst seit der Corona-Pandemie verändert. So denke ich insbesondere an unser gesellschaftliches Miteinander im Positiven wie Negativen. Hier wurden viele Fragen aufgeworfen, die wir in Deutschland miteinander besprechen müssen. Darüber hinaus denke ich an die systemrelevanten Berufe und die Familien, welche eine neue Wertschätzung erhalten haben und hoffentlich auch behalten werden. Aber auch an den Staat, der seine Funktion anpassen muss, um auch in Zukunft handlungsfähig zu sein. 

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe sehr, dass die Menschen wachsam, gesund und optimistisch bleiben. Ich wünsche mir, sehr bald wieder persönlich mit den Menschen im Gespräch sein zu können. Viele Veranstaltungen sind schon im zweiten Halbjahr dafür geplant. Denn trotz der Möglichkeit, über die digitalen Veranstaltungen in Kontakt zu bleiben, werden sie für mich nie die Begegnung von Mensch zu Mensch ersetzen. Und so bleibe ich optimistisch, bald wieder mit unseren Angeboten bei Ihnen vor Ort zu sein. 

Das Gespräch führte Kirsten Seyfarth

Mehr Informationen zu den Angeboten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Thüringen erhalten Sie unter www.kas.de/thueringen