Die kluge List des „Alten Fritz“

Thüringer Land ist Kartoffelland

Herbstzeit ist Erntezeit. Auch in Thüringen. Und die Kartoffel spielt dabei schon seit 1757 eine ganz besondere Rolle. Dabei kommt die Kartoffel eigentlich aus Südamerika. Die dort lebenden Völker kultivieren sie seit mindestens 5.000 Jahren und bauen sie noch heute in bis zu 4.000 Meter Höhe an. Es scheint sicher, dass die Spanier die Kartoffel als Nutzpflanze im Reich der Inkas entdeckten und mit nach Europa brachten. Hier wurde sie über viele Jahre wegen ihrer schönen Blüten als Gartenpflanze angebaut, wobei sie sich immer weiter ausbreitete.

Erst seit Mitte des 17. Jahrhunderts wurde vor allem in Oberfranken und im Vogtland erkannt, dass die Kartoffel nicht ins Blumenbeet, sondern in den Kochtopf gehört. Schlechte Ernten und Hunger führten dann dazu, dass die Kartoffel auch für die Ernährung angebaut wurde. Sie konnte sich nur schwer durchsetzen, weil die ersten »Importkartoffeln« einen kratzigen Geschmack hatten und manche sogar ein Brennen im Hals verursachten. Die Kartoffel entstand erst durch jahrelange Züchtungsarbeit. Zudem verhinderte die weit verbreitete Meinung, die Kartoffel als Nachtschattengewächs sei giftig, lange die breite Anerkennung als Grundnahrungsmittel.

Erst Friedrich II., der »Alte Fritz«, ergriff drastische Maßnahmen, um den Kartoffelanbau in Pommern und Schlesien durchzusetzen. Nachdem die kostenlose Verteilung von Pflanzkartoffeln nicht den gewünschten Erfolg brachte, erließ er 1756 einen Befehl, der den Kartoffelanbau für jeden Bauern zur Pflicht machte. Dragoner kontrollierten, ob der »Kartoffelbefehl« auch treu befolgt wurde, also die Kartoffeln auch wirklich gepflanzt wurden. Herzog Ernst August von Weimar ließ den Kartoffelanbau seit 1757 durch Anbauprämien fördern. Gleichzeitig erschienen in den »Wöchentlichen Weimarischen Anzei-gen« Anbauempfehlungen, weil die Kultur der Kartoffel noch nicht bekannt war.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Prediger oft diejenigen, die den Bauern neues Wissen vermitteln konnten. Dr. Carl Wilhelm Ernst Putsche, Prediger zu Wenigen-Jena, verfasste 1819 den »Versuch einer Monographie der Kartoffeln«. Er beschrieb ausführlich die Kartoffelpflanze, die Züchtung, Inhaltsstoffe, Anbau und Verwendungsmöglichkeiten und veranschaulichte dies mit zahlreichen Zeichnungen.

Die Entwicklung der Kartoffeln zum Hauptnahrungsmittel und die damit verbundene Anbauausweitung hatten aber auch ihre Schattenseiten zu kämpfen. Mitte des 19. Jahrhunderts trat plötzlich auf den europäischen Kartoffelfeldern eine Krankheit auf, die ganze Ernten vernichtete. Die Kraut- und Knollenfäule, die auch heute noch Anbau- und Lagerprobleme bereitet, breitete sich aus. Sie führte 1845 zu einer fast völligen Vernichtung der Kartoffelbestände in Irland. Der Kartoffelanbau in Gärten bedurfte anfänglich noch keiner besonderen Geräte, die Kultur erfolgte per Hand. Mit der Aufnahme in den Feldbau und der Ausdehnung der Anbaufläche wurde der Einsatz von Hilfsmitteln erforderlich. Die ersten Ideen zur Mechanisierung galten vor allen Dingen der Vereinfachung und Erleichterung der bis dahin körperlich sehr anstrengenden Ernte. So entwickelte der Deutsche E. v. Kobylinski im Jahr 1842 den ersten Siebkettenroder. Durch eine Stabgliederkette wird der vom Schar gehobene Kartoffeldamm über die Achse der Maschine gefördert, dabei abgesiebt und abgelegt.

Auf der ersten Deutschen Kartoffelausstellung in Altenburg im Oktober 1875 waren neben Geräten zur Vorbereitung des Feldes, Geräten und Maschinen zur Pflanzung (zum Beispiel Baums’ patentierter Kartoffelpflug oder Graf Münsters Kartoffellegemaschine), Kultivatoren und Hängepflügen auch Geräte und erste Maschinen zur Ernte ausgestellt. Besonders erwähnenswert ist der Kartoffelgraber von Heidemann in Liegnitz. Mit den in Altenburg ausgestellten Maschinen war der Anfang der Mechanisierung in der Kartoffelproduktion getan. Das wachsende Bedürfnis, Hand- durch Maschinenarbeit zu ersetzen und die Qualität der geernteten Kartoffeln zu erhöhen, führte zu ständigen Verbesserungen. Der Kartoffelanbau in Deutschland erreichte vor dem 1. Weltkrieg seine größte Ausdehnung. Auf 3,5 Mio. Hektar wurden 45 Mio. Tonnen geerntet und 289 kg Kartoffeln pro Kopf verzehrt. Im Jahr 2010 betrug der Pro-Kopf-Verbrauch nur noch bescheidene 59 kg.