Agentin zu sein, ist etwas Wunderbares

Nach einer vierjährigen bundesweiten Modellphase begann mit dem Schuljahr 2015/2016 das Programm »Kulturagenten für kreative Schulen« mit der LKJ in Thüringen. Ziel des Programms ist es, bei Kindern und Jugendlichen Neugier für künstlerische Aktivitäten zu wecken und mehr Kenntnisse über Kunst und Kultur zu vermitteln. Dafür soll in Schulen ein umfassendes und fächerübergreifendes Angebot der kulturellen Bildung entwickelt und Kooperationen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen aufgebaut werden.

Das klingt spannend aber auch nach viel Arbeit! Ich kam mit den beiden Thüringer Kulturagentinnen Sybill Hecht und Sandra Werner ins Gespräch.

Seit wann gibt es Kulturagenten in Thüringen?
Das Programm »Kulturagenten für kreative Schulen« startete 2011 mit fast 50 Agent*innen in fünf Bundesländern. Thüringen ist dabei das einzige in den neuen Ländern. Nach vier Schuljahren ging das Programm im Freistaat in eine Transferphase über und wird seit 2015 von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen betreut. Innerhalb der zweiten Förderphase sollen die bewährten Programminstrumente, die gewonnenen Erkenntnisse und die Erfahrungen sowie weitere Ressourcen in die Landesstrukturen überführt werden.

Wie viele Agent*innen sind denn in Thüringen unterwegs?
In ganz Thüringen arbeiten zurzeit zehn Kulturagent*innen. Wobei wir ein wunderbares Team mit unterschiedlichen Professionen sind. Frau Werner kommt beispielsweise aus der Wissenschaft und Frau Hecht aus der Pädagogik. Beide sind Expertinnen im kulturellen Feld. Unsere beiden Netzwerke reichen dabei weit über die Stadt Jena hinaus bis tief ins Weimarer Land hinein. Jeder Agent betreut jeweils vier Schulen auf ihrem kreativen Weg.

Was macht ein Kulturagent genau?
Die Kulturagent*innen sind professionelle Brückenbauer für Schulen, Kulturinstitutionen und Kunst- und Kulturschaffende. Gemeinsam mit diesen entwickeln wir Vermittlungsangebote in hoher Qualität, die an den Interessen der Schüler*innen ausgerichtet sind. In Personalunion verkörpert der/die Kulturagent*in den künstlerischen Impulsgeber, Kurator, Vermittler, Kultur- und Projektmanager, Prozessbegleiter, Netzwerker, Moderator oder Mediator. Unter den betreuenden Programmschulen nehmen neben den Regelschulen, Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen auch Gymnasien, Grundschulen sowie Ersatzschulen in freier Trägerschaft teil. Sie alle entwickeln gemeinsam mit ihren Agent*innen ein kulturelles Schulprofil. Das Programm erreichte bis jetzt bis zu 10.000 Schüler*innen im ganzen Land.

Wie finanziert sich diese Arbeit?
„Kulturagenten für kreative Schulen Thüringen“ ist ein Programm der LKJ Thüringen e.V., gefördert durch das Land Thüringen, die MUTIK gGmbH, die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Mercator. Aus diesem Programm werden die Personalkosten der Agent*innen und Projektmittel zur Verfügung gestellt.
Die künstlerische Projektarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Programms, um auf diese Weise die schulinterne Profilbildung zu initiieren, künstlerisch-ästhetische Impulse zu setzen und Schüler*innen und Lehrer*innen zu beteiligen. Zudem werden lokale Kooperationen mit Kulturpartnern aufgebaut und weiterentwickelt. Dafür steht im Zeitraum von vier Jahren den beteiligten Schulen ein sogenanntes Kunstgeld zur Verfügung. Darüber hinaus beraten wir die Akteure vor Ort sehr intensiv zur Drittmittelakquise und anderen Fördermöglichkeiten.

Welche Projekte in unserer Region führen Sie aktuell durch?
Ein wirklich tolles Projekt ist die »Laube der Fantasie«, die im Naturgarten der Parkgrundschule in Ehringsdorf durch die Kinder mit Experten wie Architekten und Künstlern gerade gebaut wird. In Jena zeigt die UniverSaale aktuell einige Ergebnisse des Design- und Fotoprojektes in der Ausstellung »out of order« im Café Salü an der Saale.

Was macht Ihre Arbeit besonders?
Agentin zu sein, ist etwas Wunderbares. Man bringt tolle Leute aus einem Netzwerk zusammen und ist dabei nie »undercover« unterwegs. Man ist ganz nah an Entwicklungen vor Ort dran, erlebt Überraschungen und kann Teil im Werden und Wachsen eines künstlerischen Prozesses sein. Am Ende sieht man meist leuchtende Kinderaugen und glückliche Lehrer*innen, inspirierte Künstler*innen und stolze Eltern. Das ist wirklich ein Geschenk.

Wo kann man Sie im November/­Dezember erleben?
Sie könnten Probenphasen in der Jenaplanschule Jena für ein sehr großes Musical in Zusammenarbeit mit der Jenaer Philharmonie erleben oder die Weihnachtsprojektwoche der Gemeinschaftsschule Kulturanum in Jena Lobeda, in der verschiedene künstlerische Workshops stattfinden. Eine Ausstellung in der Stadtbibliothek Apolda zeigt ab dem 7.12. Schülerarbeiten aus der Wormstedter Regelschule.
Alle Thüringer Schulen sind aufgerufen, ihr Interesse an der Teilnahme im Programm ab nächstem Schuljahr an die LKJ Thüringen zu senden. Wir freuen uns auf jede neue Begegnung!

Infos unter:
www.kulturagenten-programm.de