100 Jahre Freistaat Thüringen

Rückblicke, Einblicke, Ausblicke von Menschen, die ihre Heimat lieben

Thüringen wird 100! Das Jubiläum sollte in zahlreichen Höhepunkten Widerhall finden. Feste, Seminare, Lesungen oder Diskussion sollten 2020 Anlass sein, um zurückzuschauen, an Ereignisse zu erinnern, die Gegenwart einzuschließen und mutig Wege in die Zukunft finden. Doch auch hier machte die Pandemie Vorhaben zunichte. Was bleibt also von der großen Zahl? Was erzählen wir der späteren Generation von 1920 und 2020, zwei Jahren, die doch so anders waren? Einigen passenden und dringenden Fragen hat sich das Thüringer Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) gestellt und beantwortet sie dezent und klug mit einer Handreichung, die unlängst erschien. In der Broschüre „100 Jahre Freistaat Thüringen: Rückblicke, Einblicke, Ausblicke von Menschen, die ihre Heimat lieben“ kommen 14 Autorinnen und Autoren zu Wort, die ihre – oft außergewöhnlichen – Lebenswelten, Erfahrungen und Zukunftspläne in kurzweiligen Texten vorstellen. Entlang eines Leitfadens, den die KAS voranstellte, gestatten sich die Verfasser nicht nur eine Einschätzung zur politisch-gesellschaftlichen Situation des Freistaates. Sie brechen Lanzen für die Thüringer Kulinarik und Regionalkultur. So kommen Dichter und Denker, das Bauhaus, die Heilige Elisabeth, aber auch Luther und Bach, die Rostbratwurst, die Klöße und der Thüringer Wald in den Geschichten vor. Und obwohl sich die Lebens- und Arbeitsläufe der Autoren unterscheiden, ist den Texten eins gemein: Aus ihnen spricht die Liebe zur Heimat, zum Bundesland Thüringen.

Allen voran betrachtet Prof. Dr. Bernhard Vogel das Land aus der „Vogelperspektive“ und setzt seinen Schwerpunkt beim Neuaufbau des Freistaates. Der Erfurter Historiker Dr. Steffen Raßloff wirft seinen Thüringenblick weiter zurück bis zum Geburtsort der ersten Deutschen Demokratie, Weimar als Symbolort und zeigt aktuelle Perspektiven und Entwicklungen auf. Persönlicher, mit klugem Blick auf die derzeitige Situation des künftigen Berufes, gestaltet Selina Dürrbeck ihren Beitrag. Die derzeitige Stipendiatin der KAS studiert in Jena Medizin und wurde 1996 in Saalfeld geboren. Eine andere Sicht auf Thüringen gestattet sich der Geschäftsführer des Branchennetzwerks automotive: Rico Chmelik wagt Blicke in die Industriegeschichte des Landes. Recht persönlich schreibt anschließend die jüngste Stadträtin Erfurts, die in Weimar geboren wurde und sich Gedanken über das Engagement von jungen Leuten in der Politik macht. Jungen Leuten schmeckt auch die Rostbratwurst, die Thomas Mäurer aufgreift. Der Geschäftsführer des Bratwurstmuseums schreibt über die Anfänge und eine Zukunft in Mühlhausen, die 2021 beginnen soll. Eine Zukunft in Thüringen verspricht sich Andrea Ludwig, die in Erfurt ihr Hobby Fotografie zum Beruf machte und die offene Art und Freundlichkeit der Thüringer schätzt und gerne aufs Bild bannt. Von dieser Offenheit der Thüringer profitiert auch Karsten Jauch, der bei der Thüringer Allgemeinen täglich über die Thüringer und ihr Land schreibt. Ihm fielen u.a. Thüringer Persönlichkeiten ein, die sich öffneten und so zu einer Außendarstellung des Landes beitrugen. Als Unternehmer in der Digitalbranche weiß anschließend Henrik Wenzel jede Menge über die Fortschritte bei der Digitalisierung zu erzählen. Sehr persönlich bringt Giao Linh Vu Thi ihre Gedanken zu Papier. Zweisprachig aufgewachsen, hat sie Erfurt als ihre Heimatstadt benannt und möchte dennoch ihre vietnamesischen Wurzeln nicht missen. Einen Geburtstagsgruß sendet dann Christian Hirte. Der Bundestagsabgeordnete wagt in seinem Text Ausblicke. Diese werden auch von Marion Walsmann im nächsten Beitrag getragen, die als einzige Thüringerin im Europaparlament arbeitet. Seit der Wiedervereinigung mit Thüringen verbunden, sorgt die Erfurterin dafür, dass Thüringen auch in Europa gehört wird. Aus Ungarn kam einst die Heilige Elisabeth nach Thüringen. Gedanken an ihr Tun macht sich der ungarische Theologe Zoltan Balog. Wer reist, kann viel erzählen. Die Marketingdirektorin bei Kahla Porzellan Sheila Rietscher segelte auf sieben Schiffen über drei Ozeane und fand auf der Suche nach dem schönsten Ort der Welt stimmige Antworten in ihrer Heimat Thüringen.

Die 125-seitige Broschüre erhält durch die gelungenen Illustrationen von Lukas Bischoff und treffende Zitaten von Dr. Steffen Raßloff eine Abwechslung. Gleichfalls sind die Autoren mit Foto und Kurzvita präsent.

Das Buch kann unter der ISBN-Nummer 987-3-95721-741-7 bestellt werden.

Es ist auch über das KAS-Bildungswerk in Erfurt erhältlich.